QUABB-NEWSLETTER 2/2020

Sehr geehrte Leser*innen,

das Erfolgskonzept der dualen Ausbildung wurde in den letzten Monaten auf eine harte Probe gestellt – sowohl finanziell als auch in der konkreten Umsetzung. Um es den Betrieben trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage zu ermöglichen, ihr Ausbildungsangebot aufrecht zu erhalten, haben sowohl die Bundesregierung als auch das Land Hessen Unterstützungsangebote und -programme aufgesetzt. Die betriebliche und die schulische Ausbildung konnten mit angepassten Hygienekonzepten bis Mitte Dezember großteils vor Ort stattfinden. Und auch die Ausbildungsbegleitungen von QuABB haben in dieser Zeit in Präsenz beraten. Seit Beginn der Corona-Pandemie werden sie mit vielen neuen Fragen konfrontiert – etwa zum Kurzarbeitergeld oder zu drohender Insolvenz des Ausbildungsbetriebs. Zwei wichtige Veranstaltungen zur Weiterentwicklung des Programms konnten mithilfe digitaler Tools stattfinden: der interne Fachaustausch aller QuABB-Regionen und der QuABB-Fachtag zum Austausch mit ähnlichen Programmen und Angeboten. Über die Ergebnisse des Fachtags berichten wir unten. Außerdem werfen wir in dieser Ausgabe des Newsletters einen Blick auf die Beratungszahlen im Verlauf des Jahres, die einen Eindruck davon vermitteln können, welche Auswirkungen die Coronapandemie auf Ausbildungsverhältnisse in der QuABB-Beratung hat. Ein Interview mit der Ausbildungsbegleiterin Heike Farr gibt einen Einblick in die Entstehung des Methodenbandes, der inzwischen veröffentlicht wurde. Zum Einstieg möchten wir Ihnen aber einen Ausblick auf die nächste ESF-Förderperiode geben, für die die hessische Landesregierung zurzeit das Operationelle Programm abstimmt und damit die Weichen für die weitere Umsetzung von QuABB stellt.

 

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen und eine trotz der ungewöhnlichen Situation, in der wir uns befinden, schöne Weihnachtszeit.

Ihr Team der QuABB-Koordinierungsstelle

Wie geht es mit QuABB in der neuen ESF-Förderperiode 2021–2027 weiter?

2021 beginnt die neue ESF-Förderperiode. Dem hessischen Wirtschaftsministerium ist es ein wichtiges Anliegen, dass Hessen auch in Zukunft ein Land mit geringen Abbruchzahlen bleibt und sich die Abbruchquote weiter verringert. Deshalb soll QuABB mit dem hessischen Kultusministerium als Kooperationspartner und der bestehenden Ko-Finanzierung wie bisher fortgesetzt und die Vereinbarung zwischen den Ministerien für die neue ESF-Förderperiode entsprechend verlängert werden. Parallel wird zurzeit das Operationelle Programm geschrieben. Der erste Entwurf liegt der ESF-Verwaltungsbehörde vor. Ziel ist es, im ESF insgesamt mit mehr Pauschalen zu arbeiten. Zusätzlich zu den Verwaltungspauschalen sind beispielsweise Personalkostenpauschalen denkbar und werden zum aktuellen Zeitpunkt geprüft. Das Operationelle Programm soll bis Mitte 2021 mit der Europäischen Kommission abgestimmt werden. Das neue Programm startet voraussichtlich Mitte Juni 2022. Für die Übergangsphase erhalten die Träger eine Projektverlängerung bis Mitte 2022.

Der ESF Hessen hat derweil in der aktuellen Ausgabe von "ESF Kompakt" über das Operationale Programm von 2021 bis 2027 berichtet. Im Abschnitt über die Zielgruppen der Förderung werden dabei auch die Ziele und die Zielgruppe von QuABB genannt: "Für Auszubildende werden Unterstützungsangebote in Form von Beratung, Coaching und Clearing angeboten. Durch das frühzeitige Erkennen und Lösen von Problemen soll ein Ausbildungsabbruch verhindert werden." Wir freuen uns sehr, dass das Thema Ausbildungsabbruch an so prominenter Stelle erwähnt wird und der ESF damit die Relevanz der Qualifizierten Ausbildungsbegleitung betont.

Die QuABB-Koordinierungsstelle bereitet sich aktuell auf die neue Programmphase vor und wird weiter mit den Ausbildungsbegleitungen daran arbeiten, dass die Abbruchquote in Hessen möglichst niedrig bleibt. Mit der Umstellung auf Online-Beratung und auf digitale Veranstaltungsformate wurden dieses Jahr schon zwei Prozesse in Angriff genommen, die für die nächste Programmphase geplant waren.

Broschüre "Methoden in der Beratung" veröffentlicht

In der Modellphase wurde in QuABB ein Band zu Methoden in der Beratungsarbeit entwickelt. Jetzt hat die Koordinierungsstelle die Sammlung veröffentlicht. In der Broschüre sind 19 methodische Ansätze zum Einsatz im Beratungsprozess gesammelt – sowohl allgemeine, die in fast jedem Beratungsszenario hilfreich sind, aber auch spezielle, die im Umgang mit bestimmten Problemen Auszubildender eingesetzt werden können. Die Broschüre kann kostenlos auf der QuABB-Webseite heruntergeladen werden. Anlässlich der Veröffentlichung der Broschüre haben wir mit Heike Farr gesprochen. Frau Farr ist Ausbildungsbegleiterin in Frankfurt a. M. und war als Mitautorin maßgeblich an der Konzeption des Methodenbands beteiligt.

Im Methodenband werden 19 Beratungsmethoden vorgestellt. Wie ist diese Auswahl zustande gekommen?

Bei dem 2016 ebenfalls im Rahmen von QuABB erschienenen Beratungsleitfaden lag der Fokus auf den theoretischen und konzeptionellen Grundlagen der Qualifizierten Ausbildungsbegleitung. Den Verlauf eines Beratungsprozesses und die Beschreibung der einzelnen Beratungsphasen veranschaulichten wir, die AG "Qualitätsstandards in der Beratung von QuABB", mit Beispielen aus der QuABB-Beratungspraxis. Während dieser Arbeit ist eine kleine Sammlung von Methoden, bzw. ein ganzer Methodenpool entstanden. Die 19 Methoden, die am häufigsten in der Beratungspraxis mit Auszubildenden angewendet wurden und sich als besonders geeignet erwiesen, sind nun in dem Band nachzulesen und sind eine Einladung an alle in der Beratung tätigen Kolleg*innen.

Und wie sah die Arbeit der Arbeitsgruppe aus?

Ja, so wie oben beschrieben hatten wir ein vielfältiges Sammelsurium an Beratungsmethoden. Die Reduktion war nicht einfach: Es wurde mehrfach überarbeitet, verworfen und doch wieder in die Auswahl hinzugenommen und wir erhielten auch Unterstützung durch fachkompetentes INBAS-internes und -externes Personal. Letztendlich gab eine Umfrage unter den Kolleg*innen den Ausschlag für die Auswahl der Methoden, zusammen mit der Anwendbarkeit der Methoden in der Praxis – zum Beispiel mit Sicht auf die räumlichen Gegebenheiten und andere Rahmenbedingungen oder auch auf den Schwierigkeitsgrad in der Anwendung der Methode. Einem Aspekt haben wir ebenfalls viel Aufmerksamkeit und Diskussion geschenkt: der Struktur in der Beschreibung der jeweiligen Methode. Hier haben wir viele, viele Methodenhandbücher durchstöbert, bevor wir uns für die dem Band und jeder Methode zugrundeliegende Darstellung entschieden haben: einer kurzen und ausführlichen Beschreibung der Methode inklusive eines Praxisbeispiels, der Zieldefinition der Methode, der Festlegung des Beratungsformats (Einzel- oder Gruppensetting), der notwendigen Rahmenbedingungen für die Durchführung und weiterführender Literatur zur Methode.

Was macht den Band aus Ihrer Sicht besonders?

Für mich persönlich ist es etwas ganz Besonderes, dass dieser Band nun in Print-Ausgabe vorliegt. Die Idee zu diesem Methodenband wurde ja bereits 2012 geboren, mit Entstehung der AG "Qualitätsstandards in der Beratung von QuABB". Besonders ist – hoffentlich – die Auswahl und damit einhergehend die Praxistauglichkeit der Methoden. Das war auf jeden Fall unser Anliegen. Die Matrix im Anhang, der zu entnehmen ist, welche Methode sich besonders für welche Beratungsthemen eignet, ist in dieser Form ungewöhnlich und ein besonderes "Schmankerl". Es ist schön, dass es den Methodenband nun gibt und sich hoffentlich auch viele Nutzer*innen für ihn finden. Über konstruktives Feedback freuen wir uns übrigens immer.

Online in großer Runde – der QuABB-Fachtag 2020 versammelte neun Projekte zur Ausbildungsabbruchprävention am 3. November

Rund fünfzig Teilnehmende und insgesamt neun Projekte fanden sich am 3. November online zum QuABB-Fachtag zusammen, die seit Jahren den Austausch der erfolgreichen Strategien zur Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen pflegt. Dieses Jahr stand die Vernetzung an den Berufsschulen im Fokus und – wie sollte es anders sein – die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Beratungsgeschäft und die Ausbildungsverhältnisse.

Nach Grußworten vom Hessischen Wirtschaftsministerium und der Hessischen Industrie- und Handelskammern stellte QuABB den Abstimmungsprozess der Zusammenarbeit an der Schnittstelle Berufsberatung und Ausbildungsbegleitung dar. Anlass war die Einführung der Lebensbegleitenden Berufsberatung (LBB) durch die Bundesagentur für Arbeit in den beruflichen Schulen. Gemeinsame Handlungsfelder sowie jeweilige Zuständigkeiten in der Begleitung von Auszubildenden wurden basierend auf dem neuen Grundlagenpapier zur Kooperation mit zentralen Partnern herausgearbeitet.

In den anschließenden Erfahrungsaustausch mit den Projekten "Ausbildung Bleib dran" (Bremen), "Erfolgreich ausgebildet – Ausbildungsqualität sichern" (Baden-Württemberg), "Ausbildung jetzt" (Saarland), "Regionale Ausbildungsbetreuung" (Schleswig-Holstein) und den bundesweiten Angeboten von VerA (Senior Experten Service) und "PraeLab" (Hochschule der Bundesagentur für Arbeit) und dem belgischen BIDA standen die Herausforderungen der letzten Monate im Vordergrund. Nicht nur die Beratungsfachkräfte der Projekte, auch die Berufsberater der Arbeitsagenturen hatten mit den Auswirkungen der Pandemie zu tun und waren gefordert, neue Wege der Begleitung zu finden. Das Feedback zur ersten Online-Veranstaltung des Fachtags war positiv und ermöglichte eine stärkere Beteiligung von bekannten und neu hinzugekommenen Projektvertreter*innen, die den Austausch größtenteils als gewinnbringend und informativ bewerteten. Die Dokumentation des Fachtags finden Sie online auf der QuABB-Webseite.

Ausbildungsbegleitung während der Pandemie – ein Blick auf die Statistik

Die elektronische Fallakte, in der alle Beratungsfälle in QuABB dokumentiert werden, bietet einen interessanten Einblick in die veränderte Beratungsarbeit während der Corona-Pandemie. Auffällig ist, dass sich in der Zeit von April bis November 2020 häufiger Auszubildende im zweiten oder dritten Ausbildungsjahr und Auszubildende mit Migrationshintergrund an QuABB wandten als im gleichen Zeitraum 2019. Während der wachsende Anteil an Auszubildenden in höheren Ausbildungsjahren darauf hindeutet, dass die Corona-Einschränkungen ungewöhnliche Herausforderungen für Ausbildungsverhältnisse, die sonst stabil verlaufen wären, mit sich gebracht haben, kann man den gestiegenen Anteil Ratsuchender mit Migrationshintergrund so interpretieren, dass diese Gruppe auf mehr Orientierung bei den dynamisch geänderten Rahmenbedingungen angewiesen ist. Insgesamt ist im Zeitraum von April bis heute der Anteil an Fällen mit komplexer Problemlage gestiegen und der Anteil der Präventivbegleitungen gesunken. Diese Veränderung ist ein Indiz dafür, dass Ratsuchende sich während der Coronapandemie nur bei schwerwiegenderen Problemen Hilfe suchten oder umgekehrt komplexe Probleme für einen Teil der Auszubildenden durch die veränderten Arbeitsbedingungen nicht mehr eigenständig lösbar waren.

Wenig überraschend ist, dass Arbeitszeiten im Vergleich zum Vorjahr häufiger als Grund zum Aufsuchen der QuABB-Beratung genannt wurden. Diese Veränderung ist sicherlich auf die teils starken wirtschaftlichen Einschnitte für Unternehmen und auf den Umstand zurückzuführen, dass in manchen Betrieben Auszubildende zu den wenigen Mitarbeitenden gezählt haben, die nicht in Homeoffice oder Kurzarbeit geschickt wurden. Sehr erfreulich angesichts dieser teils problematischen Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt ist, dass trotzdem 90 % der beendeten Beratungen aus dem Zeitraum ab April 2020 erfolgreich verlaufen sind. Damit liegt dieser Anteil nicht nur weit über dem Programmziel von 70%, sondern sogar über dem üblichen Wert von etwa 84%. Diese Zahlen stimmen zuversichtlich, dass QuABB einen Beitrag zur Sicherung von Ausbildung während der Corona-Krise leisten kann.

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