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#QuABBfragt: Fünf Fragen an Sarah Epifani

„Berufsorientierung ist ein Prozess, bei dem sich Vorstellungen im Laufe der Zeit entwickeln und auch verändern können.“

Netzwerkarbeit schafft Zugänge zu Informationen, Unternehmen und Unterstützungsangeboten. Im Rahmen von #QuABBfragt haben wir Sarah Epifani vom Jugendbüro Neu-Isenburg fünf Fragen dazu gestellt, wie das in Neu-Isenburg gelingt und welche Rolle dabei die Berufsinformationsbörse spielt. QuABB war bei der Veranstaltung ebenfalls vor Ort, um über das Beratungsangebot für Auszubildende und Betriebe zu informieren.

1. Was hat Sie an der diesjährigen Berufsinfobörse am 10. September besonders gefreut oder überrascht?

Besonders gefreut hat uns, dass neben den Schulen aus Neu-Isenburg auch zahlreiche Schüler*innen aus Neu-Isenburg, die Schulen in den umliegenden Nachbargemeinden besuchen, gemeinsam mit ihren Schulklassen unsere Berufsinfobörse besuchten. Insgesamt kamen rund 1.500 Besucher*innen zur Infobörse.

Darüber hinaus konnten wir mehr als 48 Unternehmen, Institutionen und Bildungseinrichtungen für die Teilnahme an unserer Veranstaltung gewinnen. Unserer Erfahrung nach ist es sinnvoll, Jugendlichen möglichst früh unterschiedliche Möglichkeiten der Arbeitswelt zu zeigen. Die Berufsinfobörse bietet dafür einen niedrigschwelligen Zugang, bei dem Schüler*innen verschiedene Berufe kennenlernen und direkt mit Menschen aus der Praxis ins Gespräch kommen können.

2. Wo sehen Sie als Jugendbüro aktuell besondere Herausforderungen bei jungen Menschen?

Junge Menschen bringen sehr unterschiedliche Interessen, Stärken, Voraussetzungen und Entwicklungsstände mit. Gleichzeitig unterscheiden sich auch die Anforderungen und Zugangsvoraussetzungen der verschiedenen Ausbildungsberufe. Eine Herausforderung in der Berufsorientierung besteht deshalb häufig darin, dass Jugendliche ihre eigenen Interessen und Stärken zunächst kennenlernen und gleichzeitig ein realistisches Bild von unterschiedlichen Berufsfeldern entwickeln müssen. Gerade die Passung zwischen den eigenen Voraussetzungen und den Anforderungen eines Berufsfeldes ist dabei ein wichtiger Aspekt. Praktische Erfahrungen können helfen, diese Passung besser einzuschätzen.

Bei unserer Arbeit erleben wir, dass Berufsorientierung ein Prozess ist, bei dem sich Vorstellungen im Laufe der Zeit entwickeln und auch verändern können. Angebote wie Praktika, Gespräche mit Berufstätigen oder praktische Einblicke können Jugendliche dabei unterstützen, verschiedene Möglichkeiten kennenzulernen und eigene Vorstellungen zu konkretisieren.

3. Was würden Sie Jugendlichen mitgeben, die noch gar keine Idee haben, wo es beruflich hingehen soll?

Zunächst einmal: Es ist völlig in Ordnung, noch keine konkrete Vorstellung zu haben. Berufliche Orientierung entwickelt sich bei vielen Jugendlichen erst über verschiedene Erfahrungen. Ich würde deshalb empfehlen, möglichst viel auszuprobieren und unterschiedliche Einblicke zu nutzen, zum Beispiel durch Praktika, Schnuppertage, Ferienjobs oder Gespräche mit Menschen aus verschiedenen Berufen. Dabei kann man nicht nur herausfinden, was interessant ist, sondern auch, welche Tätigkeiten eher nicht den eigenen Vorstellungen entsprechen.

Auch das persönliche Umfeld kann eine gute Informationsquelle sein. Eltern, Verwandte oder Freund*innen der Familie haben häufig unterschiedliche berufliche Erfahrungen und können Einblicke in ihre Arbeitswelt geben.

4. Gibt es Ausbildungsberufe, die bei den Jugendlichen auf der Börse besonders gefragt waren?

Besonders gefragt waren in diesem Jahr unter anderem die Bereiche Justiz und Polizei. Gleichzeitig haben wir beobachtet, dass Angebote mit einem praktischen oder erlebnisorientierten Zugang auf großes Interesse gestoßen sind.
Das hat sich beispielsweise bei der Nutzung unserer VR-Brillen gezeigt. Jugendliche konnten damit verschiedene Ausbildungsberufe virtuell kennenlernen und einen Einblick in unterschiedliche Tätigkeiten und Arbeitswelten bekommen. Auch an anderen Ständen, an denen etwas ausprobiert oder praktisch erlebt werden konnte, war die Resonanz groß.

Aus unserer Sicht ergänzen solche Angebote die klassische Informationsvermittlung sinnvoll, weil Jugendliche dabei unmittelbar Fragen stellen, Erfahrungen sammeln und mit Menschen aus der Praxis ins Gespräch kommen können.

5. Was wünschen Sie sich für die nächste Berufsinfobörse?

Für die nächste Berufsinfobörse möchten wir die Vielfalt der vertretenen Berufsfelder und Angebote weiter ausbauen und noch mehr Schüler*innen aus höheren Jahrgangsstufen erreichen. Gerade Jugendliche, die sich dem Übergang von Schule in Ausbildung oder Studium nähern, profitieren vom direkten Kontakt zu Unternehmen und verschiedenen Berufsfeldern.

Auch über die Beteiligung weiterer Unternehmen aus Neu-Isenburg und der näheren Umgebung freuen wir uns. So können Jugendliche Ausbildungswege vor Ort kennenlernen und frühzeitig Kontakte zu möglichen Ausbildungsbetrieben knüpfen.

Darüber hinaus möchten wir die Berufsinfobörse auch künftig weiterentwickeln und neue Möglichkeiten schaffen, wie Jugendliche mit unterschiedlichen Berufsfeldern und der Arbeitswelt in Kontakt kommen können. Letztlich geht es darum, Jugendlichen unterschiedliche Zugänge zur Arbeitswelt zu eröffnen: über Informationen, persönliche Gespräche und praktische Erfahrungen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Miguel Escosa Jung, QuABB-Ausbildungsbegleiter im Landkreis Offenbach am BWHW