Zum Inhalt springen

Aktuelles

QuABB fragt: Interview mit Landrat Oliver Quilling im Landkreis Offenbach

Miguel Escosa Jung, QuABB-Ausbildungsbegleiter im Kreis Offenbach hat in einem Interview mit Landrat Oliver Quilling über die Arbeit eines Landrates, Ausbildungsmöglichkeiten bei der Kreisverwaltung und das Thema Fachkräftemangel gesprochen.

#QuABBfragt: Oliver Quilling
Landrat Kreis Offenbach

Oliver Quilling ist Landrat des Kreises Offenbach. Doch was macht ein Landrat und ist das eigentlich auch ein Ausbildungsberuf? Auf diese und weitere andere Fragen von QuABB gibt der oberste Dienstherr von knapp 1.200 Beschäftigen im Landkreis gerne Auskunft. Dabei blickt er optimistisch nach vorne. Überzeugt ist er außerdem davon, dass gegenseitiges Verständnis aller Beteiligten einer der Schlüssel für das Gelingen der Ausbildung ist.  

1. Was macht eigentlich ein Landrat, Herr Quilling?

Der Landrat des Kreises Offenbach ist Chef von rund 1.200 Beschäftigten der Kreisverwaltung. Er ist auch Vorsitzender des Kreisausschusses, sozusagen der Landkreisregierung, die sich alle zwei Wochen trifft. Zusätzlich übernimmt der Landrat formal auch Aufgaben, die ihm vom Land Hessen übertragen werden, etwa im Katastrophen- oder Umweltschutz, im Ausländerwesen, der Kfz-Zulassung oder der Fahrerlaubnis. In dieser Funktion haben Kreistag und Kreisausschuss kein Mitspracherecht, der Landrat ist ausschließlich an Recht und Gesetz gebunden. Ebenfalls im Auftrag des Landes übernimmt der Landrat die Aufsicht über die Kommunen.

Neben der reinen Verwaltungsarbeit ist der Landrat hoher Repräsentant des Kreises. Egal ob die Verleihung von Ehrenbriefen oder die Auszeichnung erfolgreicher Kleintierzüchter – die Menschen freuen sich, wenn ihnen der Landrat einen Preis verleiht. Er vertritt aber auch abseits der Öffentlichkeit die Interessen des Kreises, etwa beim Land.

2. Ist "Landrat" eigentlich auch ein Ausbildungsberuf?

Landrat ist kein Ausbildungsberuf. Deswegen sind die Lebensläufe von Landräten sehr unterschiedlich. Ich bin Jurist, mein Vorgänger war Kriminalpolizist und sein Vorgänger wiederum war Lehrer. Ein Studium ist keine Voraussetzung, allerdings hilft akademische Bildung und vieles, was man während eines Studiums lernt, bei der Bewältigung der komplexen Aufgaben.

3. In der Kreisverwaltung Offenbach eine Ausbildung machen kann man aber schon, oder?
Die Kreisverwaltung bildet aktuell in vier Berufen aus: Bachelor of Arts (Public Administration), Bachelor of Arts (Digitale Verwaltung), Verwaltungsfachangestellte oder Verwaltungsfachangestellter sowie Fachinformatikerin oder Fachinformatiker (Fachrichtung Systemintegration). Insgesamt haben wir über 30 Nachwuchskräfte. Während der Ausbildung lernen die jungen Leute die verschiedenen Abteilungen in unserem Haus kennen, beispielsweise Dienstleistungszentrum, Finanzen, Personal, Soziales. Alle Infos dazu gibt es unter www.kreis-offenbach.de/ausbildung.

4. Thema Fachkräftemangel: ist das im Kreis Offenbach auch ein Problem?

Bei uns im Kreis Offenbach herrscht nahezu Vollbeschäftigung. Die Arbeitslosenquote ist gering, obwohl die Bevölkerungszahl stetig steigt. Der Fachkräftemangel macht sich auch bei uns bemerkbar – sowohl in der Verwaltung als auch im freien Markt. Wie bereits gesagt, wir bilden aus. Wir haben aber auch unterschiedliche Programme, teils gemeinsam mit den Kommunen gestartet, um Fachkräfte – auch aus dem Ausland – zu gewinnen.

5. Abschließend: Welche Tipps geben Sie Auszubildenden und Ausbildungsbetrieben generell, damit die Ausbildung in jedem Fall gelingt?

Wichtig ist das Verständnis aller an der Ausbildung beteiligter Akteure: Die jungen Menschen müssen zunächst einmal den Wechsel von der Schule in die Arbeitswelt bewältigen und brauchen dabei ganz viel Unterstützung. Gleichzeitig sind viele Beschäftigte aufgrund der allgemein angespannten Personalsituation an ihrer Belastungsgrenze. Daraus ergeben sich manchmal Spannungen, die es rasch auszuräumen gilt. Auszubildende haben dafür ja QuABB, um zusammen nach passenden Lösungen zu suchen.

Ein Tipp an alle, die auf Ausbildungsplatzsuche sind: Bleiben Sie optimistisch. Die Chancen auf dem Ausbildungsmarkt sind aktuell im Rhein-Main-Gebiet sehr gut!

Vielen Dank, Herr Quilling.
Die Fragen stellte der QuABB-Ausbildungsbegleiter Miguel Escosa Jung.