QUABB-NEWSLETTER 3/2019

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

vor dem Jahresende möchten wir Sie noch einmal über die aktuellen Entwicklungen in und um QuABB informieren. Die Koordinierungsstelle hat sich in den vergangenen Monaten vor allem mit der Frage beschäftigt, wie QuABB in der nächsten ESF-Förderphase aussehen soll. Wichtige Impulse dazu sind im Artikel über den diesjährigen Fachtag „QuABB 2021“ zusammengefasst. Für die Qualität des Beratungsangebots ist die Zusammenarbeit mit regionalen Netzwerkpartnern wie mit Kooperationspartnern auf Hessen- und Bundesebene ein zentraler Baustein. Die Artikel von und über „Wirtschaft integriert“ und „VerA“ werfen Schlaglichter auf die erfolgreiche Arbeit zweier wichtiger Programme. Im Schuljahr 2020/21 kommt das Angebot „Lebensbegleitende Berufsberatung“ (LBB) der Arbeitsagenturen zum Unterstützernetzwerk dazu. Ein Papier zur optimalen Zusammenarbeit von QuABB, LBB und den Kammern bei der Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen wird zurzeit abgestimmt und nächstes Jahr verabschiedet. Um den deutschlandweiten Austausch vergleichbarer Programme fortzuführen, hat QuABB eine Online-Konferenz veranstaltet, über die unten kurz berichtet wird. Auch in den Regionen soll die übergreifende Zusammenarbeit in der nächsten Programmphase mit Unterstützung durch die Koordinierungsstelle weiter vorangetrieben werden. Weitere wichtige Themen für die kommenden zwei Jahre sind die Digitalisierung der Beratungsprozesse und die Umsetzung der Qualitätsstandards. Daneben sind mehrere Veröffentlichungen und Maßnahmen in der Öffentlichkeitsarbeit geplant.

Alle Pläne bauen auf der anhaltend guten Arbeit der QuABB-Teams in den Regionen auf. Die Erfolgsquote der Beratungen liegt nach wie vor bei 84 % –  bei über 9.000 Fällen, die seit 2015 begleitet wurden.

Das Team der QuABB-Koordinierungsstelle wünscht Ihnen besinnliche Weihnachten und ein schönes neues Jahr. Wir freuen uns darauf, uns auch 2020 gemeinsam mit Ihnen für erfolgreiche Ausbildung in Hessen einzusetzen.

„QuABB 2021“ – Ergebnisse der Open-Space-Konferenz über die Zukunft von QuABB

Wie soll es mit QuABB in 2021 weitergehen? Dazu haben sich am 29. und 30. Oktober 2019 auf dem QuABB-Fachtag in Wetzlar Akteurinnen und Akteure des Programms in einem „Open Space“ ausgetauscht. Eingeladen waren neben den Verantwortlichen aus dem OloV-QuABB-Steuerkreis alle Ausbildungsbegleitungen und Trägerleitungen, die in Hessen für die Umsetzung von QuABB verantwortlich sind, sowie zahlreiche Kooperationspartner und Kooperationspartnerinnen aus ganz Hessen.

Es galt, zu klären, was an QuABB bleiben soll wie bisher, was angepasst werden muss und wo es Chancen gibt, Neues zu realisieren. Was konkret zur Diskussion gestellt wurde, entschieden die 90 Teilnehmenden selbst. An brennenden Themen fehlte es nicht. In über zwanzig Gruppen wurde konstruktiv diskutiert und es entstanden zahlreiche kreative Ideen. Diese wurden am zweiten Tag allesamt der großen Runde präsentiert und wiederum entschieden die Teilnehmenden, welche sieben Themen in längeren Workshops bearbeitet werden sollten. Die Open-Space-Methode gab nicht nur Raum für die Anliegen der Akteurinnen und Akteure, sondern sorgte auch für eine sehr ungezwungene Atmosphäre und motivierte Arbeit in den Gruppen.

Die Ergebnisse bestätigen, was sich schon in einem Treffen der für das Programm verantwortlichen Akteure auf Hessenebene im Februar herauskristallisiert hatte: QuABB stellt so, wie es sich über die letzten 10 Jahre in Hessen entwickelt und etabliert hat, ein wichtiges Angebot für Auszubildende und Betriebe dar und erfüllt eine zentrale „Scharnierfunktion“ (Hilke Smit-Schädla) innerhalb der regionalen Beratungsnetzwerke. Für die Zukunft muss daher vor allem sichergestellt werden, dass das Programm weiterhin in seiner jetzigen Form umgesetzt werden kann, für fortbestehende Herausforderungen gerüstet und auf Veränderungen im Ausbildungsmarkt vorbereitet ist.

In den Arbeitsgruppen wurde vor diesem Hintergrund intensiv über die Kernthemen und Betätigungsfelder von QuABB gesprochen. Es ging um die Unterstützung kleiner Betriebe, Zugänge zur Beratung (auch über Arbeitgeber), die Steigerung der Beratungsqualität und die Abstimmung mit anderen Angeboten. Ein wichtiger Akteur in diesem Kontext ist die Berufsschule. Um das Beratungsangebot besser im Bewusstsein der Lehrkräfte zu verankern, wurde vorgeschlagen, QuABB im Studienseminar der Referendarinnen und Referendaren zu thematisieren. Umgekehrt sollten Lehrkräfte besser über die Arbeit von QuABB informiert werden, zum Beispiel auf Gesamtkonferenzen durch Berichte mit aktuellen Zahlen zur schulspezifischen Beratungsarbeit. Die Zusammenarbeit der Beratungsangebote wird an einigen Berufsschulen von einer AG unterstützt. In diesem Rahmen kann auch ein gemeinsames Konzept zur Prävention von Ausbildungsabbrüchen auf den Weg gebracht werden. Förderlich sind hierfür zudem Kooperationsvereinbarungen zwischen Berufsschule und Träger, bei deren Anbahnung die Koordinierungsstelle unterstützen kann.

Auch über die einzelne Berufsschule hinaus wurden Möglichkeiten zur Verbesserung der Zusammenarbeit im Unterstützungsnetzwerk diskutiert. Ein Modell wäre die Einführung regelmäßiger Regionalkonferenzen für den Institutionen übergreifenden Austausch. Daneben galt das Interesse der Teilnehmenden vor allem den Betrieben als zentralen Akteuren in der dualen Ausbildung. Ein Vorschlag war, dass Betriebe sich auf Ausbilderstammtischen und ähnlichen Veranstaltungen zu QuABB und zur Prävention von Ausbildungsabbrüchen austauschen könnten. Denkbar wären auch eigene Informationsveranstaltungen, auf denen QuABB vor allem kleineren Betrieben vorgestellt wird. QuABB ist außerdem schon jetzt teilweise bei Ausbilder-Lehrgängen Gegenstand eines eigenen Moduls, um Teilnehmende für die Abbruchproblematik zu sensibilisieren und auf das Beratungsangebot von QuABB hinzuweisen.

Einige weitergreifende Fragen kamen dann doch zum Gespräch. Einerseits ging es um die Rahmenbedingungen des Programms. Unter anderem wurden alternative Finanzierungsmodelle entworfen und Möglichkeiten der Kofinanzierung diskutiert. Um die Kontinuität und die Qualität von QuABB auch bei Personalwechseln zu gewährleisten, kam der Wunsch nach einheitlichen Empfehlungen für die Einarbeitung neuer Ausbildungsbegleitungen auf. Im gemeinsamen Austausch wurden mehrere Vorschläge zur tiefergehenden Zusammenarbeit mit der Berufsberatung der Arbeitsagenturen erarbeitet.

Andererseits stellte sich die Frage, wie QuABB ausgerichtet werden muss, um auf gesellschaftliche Veränderungen vorbereitet zu sein, die auch den Ausbildungsmarkt betreffen: das Einmünden Geflüchteter in die duale Ausbildung und die Digitalisierung der Lern- und Beratungsprozesse. Zur Unterstützung Geflüchteter sind verbesserte Konditionen in der dualen Ausbildung wie sprachlich klarere Prüfungsfragen und Ausbildungsverlängerungen nötig. In Form eines Frühwarnsystems für das erste Lehrjahr, aber auch allgemein sollte QuABB in Abstimmung mit dem Kultusministerium eine einheitliche Linie bei der Unterstützung Geflüchteter in Ausbildung finden.

Der Prozess der Digitalisierung bedeutet für QuABB sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance. Zum einen müssen neue Modelle entwickelt werden, wie die Beratung zukunftstauglich und in sozialen Medien bei den Zielgruppen präsent gemacht werden kann. Zum anderen bieten digitale Medien Chancen, um die Zielgruppen schneller und besser zu erreichen – beispielweise auch Auszubildende auf dem Land ohne Fahrtaufwand per Onlineberatung.

Die zahlreichen Ideen, die auf der Konferenz entstanden sind, wurden im Dezember in einer gemeinsamen Sitzung der QuABB-Koordinierungsstelle mit dem Wirtschaftsministerium ausgewertet und für die zukünftige Ausrichtung des Programms abgestimmt.

Zwischenbilanz: Unterstützung Geflüchteter in der Ausbildung aus Sicht von Wirtschaft integriert und QuABB

Im vergangenen Jahr haben sich 2.484 Ratsuchende an QuABB gewendet. 432 von ihnen, also ein Sechstel, sind Geflüchtete. Dass diese Entwicklung für die Ausbildungsbegleiter und Ausbildungsbegleiterinnen eine große Herausforderung dargestellt hat, steht außer Frage. Ein genauerer Blick auf die Zahlen aus der elektronischen Fallakte von QuABB zeigt aber, dass das Unterstützungssystem in Hessen gut für die Arbeit mit Geflüchteten gerüstet ist. Zunächst ist erfreulich, dass Ratsuchende mit Fluchthintergrund schon sehr früh zu QuABB kamen: Nur bei 15% dieser Fälle war ein Konflikt schon (fast) bis zur Kündigung eskaliert. Zum Vergleich: Für Teilnehmende ohne Fluchthintergrund liegt der Anteil bei 36 %. Erwartungsgemäß überwiegen bei Geflüchteten Probleme in der Berufsschule und darunter Sprachprobleme, die von 89 % der Geflüchteten als Grund für Probleme in der Ausbildung angeführt werden. Um schulische Probleme zu beheben, organisierten die Ausbildungsbegleitungen in zwei Dritteln der Fälle abH-Plätze, für ein Drittel der geflüchteten Ratsuchenden externe Sprachfördermaßnahmen. Dass die Arbeit von QuABB wirkt, belegt die Erfolgsquote bei dieser Teilnehmendengruppe: 86 % der Geflüchteten, die 2018 in QuABB begleitet und oft auch an andere Unterstützungsangebote weiterverwiesen wurden, waren drei Monate nach Abschluss der Beratung noch in Ausbildung oder hatten sie bereits erfolgreich abgeschlossen.

Die Zahlen bestätigen, was auch die Erfahrung im Programm QuABB gelehrt hat: Die erfolgreiche Unterstützung abbruchgefährdeter Jugendlicher setzt eine frühe Intervention voraus – hier hat sich in Hessen für die Unterstützung Geflüchteter ein effektives Frühwarnsystem gebildet – und sie erfordert auch im Beratungsprozess die Zusammenarbeit aller Angebote.

Auch die Landesinitiative Wirtschaft integriert, welche vom Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen ins Leben gerufen wurde, unterstützt in ganz Hessen junge Menschen mit Fluchthintergrund bei der Integration in den Arbeitsmarkt. Die Initiative wurde 2016 gestartet und wendet sich nicht nur an Flüchtlinge, sondern an alle jungen Männer und Frauen mit besonderem Sprachförderbedarf. Wichtigstes Merkmal ist die durchgehende Förderkette, die von der Berufsorientierung über die Einstiegsqualifizierung zur eigentlichen Ausbildung führt. Die Ausbildungsbegleitung von Wirtschaft integriert ABPlus unterstützt die Auszubildenden mit einer kontinuierlichen Sprach- und Lernförderung. In sehr kleinen Lerngruppen (nicht mehr als 5 Teilnehmende oder Teamteaching) erhalten die Teilnehmenden an 4-8 Wochenstunden fachliche Lernunterstützung und berufsbezogene Deutschförderung. Sozialpädagoginnen begleiten die Auszubildenden und die Ausbildungsbetriebe bei der Bewältigung von Problemen und Ausbildungshindernissen. Eine intensive Prüfungsvorbereitung gehört mit zum Leistungsspektrum von Wirtschaft integriert.

In diesem Jahr ist die erste große Kohorte zur Abschlussprüfung angetreten. Von 85 Prüfungsabsolventen und -absolventinnen haben 58 ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. „Das ist eine ansehnliche Quote, wenn man bedenkt, dass fast alle erst seit kurzer Zeit in Deutschland leben“, betont Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir. 51 Absolventinnen und Absolventen sind von ihren Ausbildungsbetrieben übernommen worden – 43 als reguläre Beschäftigte, 8 schließen eine spezialisierte Ausbildung an. Ein Absolvent hat eine Stelle in einem anderen Betrieb gefunden. Die erste Bilanz der Prüfungsergebnisse ist positiv zu bewerten.

Derzeit nehmen insgesamt 1120 Frauen und Männer an Wirtscht integriert teil. Das Projekt verfügt in der BOPlus über 31 Standorte, in der EQPlus über 16 Standorte und in der ABPlus hessenweit über 26 Standorte, die für die Teilnehmenden wohn- und betriebsnah ausgewählt werden.

Die erfolgreiche Kooperation zwischen VerA und QuABB geht weiter

Bereits im Juli fand das turnusmäßige Kooperationstreffen zwischen VerA und QuABB statt. Gegenstand des Gesprächs war unter anderem die erfreuliche Entwicklung der gemeinsamen Beratungen. Zum Zeitpunkt des Gesprächs gab es bereits über 250 Fallübergaben an VerA durch Ausbildungsbegleitungen von QuABB. Vereinbart wurde, 2020 eine gemeinsame Pressekonferenz anlässlich der dann fünfjährigen erfolgreichen  Zusammenarbeit zu veranstalten.

Am 22.08.2019 haben sich Ausbildungsbegleitungen der beiden Programme zu einem gemeinsamen Fachnachmittag getroffen und dazu ausgetauscht, wie die Zusammenarbeit von VerA und QuABB weiterhin gelingen kann. Als Impuls wurde auf der Veranstaltung eine Studie von INBAS Sozialforschung zur „Kooperation von Haupt- und Ehrenamtlichen in der Arbeit mit Geflüchteten“ vorgestellt. Die Ergebnisse boten einen guten Anlass, um sich über die speziellen Kompetenzen der beiden Programme zu verständigen und die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit zu klären. QuABB und VerA ergänzen sich nicht nur durch ihre Angebote – vor allem fachliche Unterstützung bei  VerA, professionelle Beratung bei QuABB –, sondern auch als Schnittstellen zu den Betrieben beziehungsweise zu den Berufsschulen.

Deutschlandweiter Projektaustausch bei der QuABB-Onlinekonferenz vom 25.11.2019

Am 25.11.2019 haben sich vier Projekte online zu aktuellen Themen der Prävention von Ausbildungsabbrüchen ausgetauscht. Neben QuABB nahmen Vertreterinnen und Vertreter der Bundesinitiative „VerA“, des Bremer Projekts „Bleib dran“ und des Projekts „Erfolgreich ausgebildet. Ausbildungsqualität sichern“ aus Baden-Württemberg an der von INBAS organisierten Onlinekonferenz teil. Zehn Expertinnen und Experten informierten sich über den aktuellen Stand der Umsetzung ihrer Beratungsangebote in Deutschland sowie über die anstehende BBiG-Novelle, sprachsensible Beratung Geflüchteter in Ausbildung und Neuerungen im europäischen CEDFOP-Webportal zur Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen (neue Instrumente zur Evaluation und im Rahmen des QuABB-Fachtags 2018 übersetzte Tools). Für 2020 und 2021 plant die hessenweite Koordinierungsstelle von QuABB jeweils im Herbst einen Fachtag als klassische Präsenzveranstaltung zu aktuellen Themen. Aber aufgrund der guten Erfahrungen und des positiven Feedbacks zu dieser ersten online und telefonisch verknüpften Zusammenkunft haben sich die Beteiligten vorab für eine Wiederholung für das kommende Jahr 2020 verabredet. Interessenten wenden sich bitte an die Koordinierungsstelle.

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