QUABB-NEWSLETTER 1/2020

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

als Expertinnen und Experten im Bereich der beruflichen Bildung wissen Sie, dass auch das Modell der dualen Berufsbildung und der Ausbildungsmarkt von der Coronakrise betroffen sind. Die langfristigeren Auswirkungen von Schul- und Betriebsschließungen auf Ausbildungsverläufe und das Ausbildungsplatzangebot lassen sich aktuell noch nicht abschätzen. Für die QuABB-Beratungsfachkräfte war es in den vergangenen Monaten wichtig, weiterhin für Ratsuchende erreichbar zu sein, zu den vielen Fragen, die sich für Auszubildende und Betriebe jetzt stellen, zu beraten und an die richtigen Stellen weiterzuvermitteln. An allen 26 Standorten in Hessen ging die Beratung per Telefon und E-Mail weiter. Parallel hat die Koordinierungsstelle bei INBAS sichergestellt, dass sich die Ausbildungsbegleitungen in wöchentlichen Online-Konferenzen zu neuen Beratungsthemen und Good Practice in der Beratung aus dem Home-Office austauschen können. Diese Form des digitalen kollegialen Austauschs soll auch nach Ende des Lockdowns fortgesetzt werden. Um Auszubildende, Betriebe und Lehrkräfte über das fortbestehende Beratungsangebot – gerade auch in der für viele schwierigeren Lage – zu informieren, hat die Koordinierungsstelle digitale Flyer mit den neuen Erreichbarkeiten produzieren lassen, die unter anderem über die hessischen Kammern verbreitet wurden.

Mit umfangreichen Hygienekonzepten arbeiten die QuABB-Beraterinnen und Berater inzwischen wieder im Büro. Auch in der Koordinierungsstelle sollen die für 2020 geplanten Angebote und Produkte nach Möglichkeit noch umgesetzt werden. Mit Corona hat sich die Einführung eines neuen Veranstaltungsformats verzögert: Anknüpfend an den erfolgreichen letztjährigen Fachtag soll es zukünftig auch in den einzelnen QuABB-Regionen Open-Space-Veranstaltungen geben, in denen die regionalen Akteure und Akteurinnen, Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartner die Möglichkeit haben, zusammenzukommen, um sich über die Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen und die Zusammenarbeit miteinander auszutauschen. Sofern es aus gesundheitlicher Sicht tragbar ist, werden wir versuchen, im zweiten Halbjahr 2020 unser Veranstaltungsprogramm wiederaufzunehmen und ausgefallene Veranstaltungen nachzuholen.

Geplant ist außerdem, verschiedene Angebote der QuABB-Koordinierungsstelle zu digitalisieren. Diese Bestrebungen sind angesichts der aktuellen Situation umso sinnvoller, sollen aber auch insgesamt dazu dienen, die Unterstützung der QuABB-Regionen flexibler und effizienter zu gestalten. Hierzu soll ein Teil des Veranstaltungsangebots digitalisiert werden. Workshops können als Videokonferenzen umgesetzt werden, sodass lange Anfahrten entfallen, aufgezeichnete Webinare und Lernvideos ermöglichen eine flexible eigenständige Einarbeitung unabhängig von festgelegten Veranstaltungsterminen. Bereits umgesetzt ist eine digitale Einwilligungserklärung für die Datenverarbeitung mit der elektronischen Fallakte sowie eine elektronische Feedbackbefragung zur eigenständigen Evaluation der Beratungsarbeit.

Zwei große Veröffentlichungen stehen für dieses Jahr an: Bei der ersten handelt es sich um eine überarbeitete Fassung des "Werkzeugkoffers Frühwarnsystem". Seit der Modellphase stellt der Werkzeugkoffer unser wichtigstes Produkt dar, das sowohl von den Ausbildungsbegleitungen als auch von den zahlreichen Kooperierenden an Berufsschulen und Kammern eingesetzt wird. Inzwischen stehen aber in QuABB viele weitere Jahre Erfahrung im Umgang mit Problemen in der Ausbildung zu Buche. Gleichzeitig hat sich der Ausbildungsmarkt verändert. Neue Herausforderungen und neue Lösungswege sollen in einer überarbeiteten Auflage des Werkzeugkoffers wiedergespiegelt werden, deren Veröffentlichung für dieses Jahr geplant ist. Eine weitere große Publikation, den Methodenband, wollen wir Ihnen in diesem Newsletter erstmals kurz vorstellen.

Auch die strategische Arbeit im Programm geht weiter. Über die wichtige Kooperation mit der Landesärztekammer berichten wir unten. Inzwischen sind auch die Abstimmungsgespräche mit der Regionaldirektion Hessen zur Zusammenarbeit mit der Lebensbegleitenden Berufsberatung abgeschlossen. Das gemeinsame Papier zur "Zusammenarbeit der Ausbildungsbegleitung von QuABB mit zentralen Partnern bei der Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen in Hessen: Kammern – Berufsberatung der Agentur für Arbeit – Jobcenter – Berufsschulen" wird rechtzeitig vor dem neuen Schuljahr veröffentlicht. Die Leistungen der beiden Beratungsangebote sind außerdem in einem gemeinsamen Flyer gegenübergestellt.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen.

Ihr Team der QuABB-Koordinierungsstelle

Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Ausbildungsmarkt

In den letzten Monaten wurde von verschiedenen Seiten an die Betriebe appelliert, ihr Engagement in der dualen Ausbildung beizubehalten. Parallel wurden Forderungen an die Politik gerichtet, Betriebe finanziell bei der Umsetzung der Ausbildung während der Coronakrise zu unterstützen. Für den Einfluss, den die wirtschaftliche Lage auf den Ausbildungsmarkt haben könnte, gibt es inzwischen erste Anhaltspunkte.

Das IWAK (Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur) hat erste Befunde zur Auswirkung der Corona-Krise auf den hessischen Ausbildungsmarkt vorgestellt. Die IWAK-Regionaldatenreporte enthalten Daten zum Ausbildungsplatzangebot in den hessischen Regionen. Für Juni 2020 verzeichnet das IWAK einen deutlichen Rückgang offener Ausbildungsstellen um durchschnittlich 10% im Vergleich zum Vorjahr. Dabei gibt es aber starke Unterschiede zwischen den hessischen Landkreisen. So ist das Angebot im Vogelsbergkreis sogar um 8% gestiegen, während im Landkreis Darmstadt-Dieburg der Einfall mit 27% am höchsten war.

In einer Umfrage des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks Ende März haben 25% der befragten Handwerksbetriebe angegeben, dass sie zum nächsten Ausbildungsjahr weniger Auszubildende einstellen werden. Zieht man Betriebe, die die Frage nicht beantworteten oder angaben, nicht auszubilden, ab, ergibt sich ein Anteil von 37%, die planen, ihr Ausbildungsengagement zu verringern. Dann bleibt ein Anteil von 56%, die die Anzahl ihrer Ausbildungsplätze nicht verändern wollen, und 7%, die beabsichtigen, ihr Angebot zu erhöhen.

Zuversichtlicher stimmt eine jüngere Umfrage des Hessischen Industrie- und Handelskammertag (HIHK). Laut den Umfrageergebnissen vom Juni 2020 wollen die hessischen IHK-Betriebe ihre geplanten Ausbildungsstellen trotz der Coronakrise zu einem großen Teil weiterhin anbieten. 92% der befragten Betriebe hatten angegeben, dass ihre geplanten Stellen bestehen bleiben. Lediglich bei 2% werden Ausbildungsstellen aufgrund der Coronakrise gestrichen. 67% der befragten Betriebe gaben an, dass die Ausbildung zurzeit normal im Betrieb stattfindet. Bei 4% sind Auszubildende in Kurzarbeit.

Verschiedene Institutionen haben Schritte eingeleitet, um die duale Ausbildung während der Corona-Pandemie zu sichern. Die Partner der Allianz für Aus- und Weiterbildung haben sich auf mehrere Maßnahmen verständigt, die den Auswirkungen der Coronakrise auf den Ausbildungsmarkt entgegenwirken sollen. Zu den beschlossenen Maßnahmen gehört eine "Prämie für Betriebe, die Auszubildende aus insolventen Betrieben übernehmen". In einem 10-Punkte-Plan zur Sicherung der Ausbildung hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) Vorschläge zur Umsetzung der dualen Ausbildung und zur Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen während der Corona-Pandemie gesammelt. Die IHKn sollen durch "Speed-Dating" per Skype und mit der Lehrstellenbörse bei der Vermittlung von Ausbildungsstellen unterstützen und digitale Ausbildungsberatung anbieten. Außerdem werde darauf hingearbeitet, dass Ausbildungsprüfungen zeitnah nachgeholt werden können.

Die wichtigste Maßnahme zur Sicherung der dualen Ausbildung ist sicherlich das von der Bundesregierung beschlossene Konjunkturpaket. Das Paket umfasst das Programm "Ausbildungsplätze sichern", mit dem 500 Millionen Euro zur Unterstützung ausbildender Betriebe bereitgestellt werden. Kleine und mittelständische Unternehmen, die ihr Ausbildungsangebot nicht verringern, erhalten nach Ablauf der Probezeit für jeden im kommenden Ausbildungsjahr abgeschlossenen Vertrag 2.000 Euro. Bietet ein Betrieb mehr Ausbildungsstellen an als im Vorjahr, erhöht sich die Prämie für jeden zusätzlich abgeschlossenen Ausbildungsvertrag auf 3.000 Euro.

Bündnis Ausbildung Hessen bis 2024 verlängert

Das Bündnis Ausbildung Hessen wird bis 2024 verlängert – das haben die Bündnispartner im Papier vom 10.01.2020 beschlossen. Das Bündnis umfasst Maßnahmen, die "die Attraktivität, Qualität, Leistungsfähigkeit und Integrationskraft des Erfolgsmodells duale Ausbildung in Hessen" stärken sollen. Als eine zentrale Maßnahme ist QuABB im Bündnispapier verankert. Hervorgehoben wird die "wichtige Schnittstellenfunktion" des Programms, das als erste Anlaufstelle für alle Probleme in der Ausbildung an andere Institutionen und Angebote weitervermitteln kann.

Im Bündnis spiegeln sich auch die Ziele der bundesweiten "Allianz für Aus- und Weiterbildung 2019 bis 2021" wider. Für die kommenden Jahre haben sich die Bündnispartner vorgenommen, die Zahl unbesetzter Ausbildungsstellen in Hessen zu verringern, mehr Bewusstsein für die Qualität und Attraktivität der Beruflichen Bildung zu schaffen und Entwicklungen im Zuge der Digitalisierung zu gestalten. QuABB soll dabei helfen, dem besonderen Beratungsbedarf Geflüchteter in Ausbildung in den kommenden Jahren gerecht zu werden.

 Zu den Unterzeichnern und Bündnispartnern zählen neben dem Land Hessen die hessischen Industrie- und Handelskammern, die hessischen Handwerkskammern, die Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, die Vereinigung der Hessischen Unternehmerverbände e. V., der Verband Freier Berufe in Hessen, der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB-Bezirk Hessen-Thüringen) sowie der Hessische Landkreistag, der Hessische Städtetag und der Hessische Städte- und Gemeindebund. Das erste Bündnis Ausbildung war im März 2015 geschlossen worden. Das neue Bündnis vom 10. Januar 2020 gilt bis zum Jahr 2024.

Langjährige Zusammenarbeit mit Landesärztekammer schriftlich fixiert

Schon seit Beginn der Modellphase arbeitet QuABB mit der Landesärztekammer Hessen zusammen, die sehr engagiert an der Prävention von Ausbildungsabbrüchen arbeitet. Ein Ergebnis dieses Engagements ist das Meldesystem Zwischenprüfungsergebnis, das die Kammer flächendeckend einsetzt und das auch als Instrument in den Werkzeugkoffer Frühwarnsystem aufgenommen wurde. Ab sofort ist die gute Zusammenarbeit auch schriftlich fixiert. In der Kooperationsvereinbarung ist festgelegt, dass die Ausbildungsberatungen der Kammer in rechtlichen und ausbildungsrelevanten Fragen in Bezug auf das Berufsbildungsgesetz zuständig sind. Die Ausbildungsbegleitungen sollen umgekehrt hinzugezogen werden, wenn Probleme im persönlichen Bereich liegen. Außerdem werden die LÄKH und QuABB füreinander werben und regelmäßige Abstimmungstreffen durchführen. Die Vereinbarung gilt bis 31.12.2021.

Broschüre "Methoden in der Beratungsarbeit" vor Veröffentlichung

Seit 2019 arbeiten wir an der Fertigstellung eines Bandes zu "Methoden in der Beratungsarbeit". In der Broschüre sind methodische Ansätze zur Gestaltung von Beratung gesammelt – sowohl allgemeine, die in fast jedem Beratungsszenario hilfreich sind, aber auch spezielle, die im Umgang mit bestimmten Problemen Auszubildender eingesetzt werden können. Die Konzeption des Methodenbandes geht zurück auf die Modellphase von QuABB, in der eine Arbeitsgruppe damit begann, den Band zu erarbeiten. Die Methoden wurden von Ausbildungsbegleitungen zusammengestellt, erprobt, mit Praxisbeispielen versehen und beschrieben. Er enthält Erfahrungen aus über zehn Jahren QuABB. Auch der Methodenband soll dieses Jahr erscheinen. Er wird kostenlos über die QuABB-Webseite verfügbar sein. Wir möchten uns hiermit noch mal herzlich bei allen an der Publikation Beteiligten bedanken.

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