QUABB-NEWSLETTER 1/2019

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

willkommen in der ersten Ausgabe des QuABB-Newsletters 2019. Die Qualifizierte Ausbildungsbegleitung kann auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Die QuABB-Beraterinnen und -Berater haben 2018 insgesamt 2345 Ratsuchende begleitet. Dabei konnte die Quote der erfolgreichen Begleitungen erneut um drei Prozentpunkte gesteigert werden. Rund 86% der kriselnden Ausbildungsverhältnisse wurden erfolgreich stabilisiert. Erfreulich ist außerdem, dass neben dem gleichbleibend hohen Anteil an Zugängen über die Berufsschulen der Anteil an Ratsuchenden steigt, die aus eigenem Antrieb die Beratung aufsuchen. Geflüchtete machen inzwischen ein Fünftel aller Fälle aus. 71% von ihnen kommen aufgrund nicht ausreichender Sprachkenntnisse in die Beratung. Entsprechend oft wird das gesamte Angebot an Unterstützungsmaßnahmen, das Hessenprogramm „Wirtschaft integriert“ und das Bundesprogramm VerA wie auch die lokal zur Verfügung stehenden externen Unterstützungsmaßnahmen, hinzugezogen. So konnte auch diese Teilnehmendengruppe in 89% der Fälle erfolgreich beraten und begleitet werden.

Die Zahlen zeigen, dass der Bedarf an qualifizierter Begleitung und an Vernetzung von Angeboten nach wie vor hoch ist. Um dem gewachsen zu sein, hat die Koordinierungsstelle 2018 zahlreiche Veranstaltungen durchgeführt, auf denen mit Expertinnen und Experten über aktuelle Themen wie die Begleitung geflüchteter Auszubildender und Digitalisierung gesprochen wurde. Daneben hat vor allem der internationale Fachtag im Herbst 2018 zahlreiche neue Ideen und Anregungen nach Hessen gebracht.

Wir werden auch im laufenden Jahr an die Erfolge durch die intensive Vernetzung der Akteure der beruflichen Bildung und die hohen fachlichen Kompetenzen der Beraterinnen und Berater anknüpfen und die kommenden Aufgaben durch spannende und intensive Austausche und Fortbildungen begleiten. Inzwischen durchlaufen die ersten Ausbildungsbegleitungen die Rezertifizierung von Weiterbildung Hessen. Gleichzeitig kommt ein wichtiges Signal aus Wiesbaden: QuABB ist auch im neuen Koalitionsvertrag verankert, Fachkräftesicherung bleibt ein wichtiges politisches Thema für die nächste Legislaturperiode. Dies alles lässt uns mit Zuversicht auf die Herausforderungen des neuen Jahres blicken.

Hardy Adamczyk, Projektleiter QuABB-Koordinierungsstelle

QuABB als regionales Konzept im internationalen Vergleich - Fachtag 2018 in Frankfurt

Hilke Smit-Schädla vom HMWEVW eröffnet die Veranstaltung. Foto: Jancey Pineda (Pineda Fotografie)

Am 15.11.2018 fand in der Evangelischen Akademie in Frankfurt der fünfte QuABB-Fachtag mit Gästen aus Deutschland und dem europäischen Ausland statt. Zahlreiche Vortrags- und Workshopthemen boten den rund 100 Teilnehmenden aus Hessen, Deutschland und Europa für den transnationalen Austausch und Transfer zum verbindenden Ziel erfolgreicher Ausbildung neue Einblicke in das Thema der Abbruchvermeidung.

Seit fast zehn Jahren trägt der Austausch zwischen QuABB und anderen Akteurinnen und Akteuren in Deutschland über erfolgreiche Strategien zur Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen zum gegenseitigen Erkenntnisgewinn bei. 2016 wurden erstmalig Programme aus dem europäischen Ausland in den Fachaustausch einbezogen. QuABB hat seitdem viel von den Erfahrungen anderer Projekte in Hessen, Deutschland und Europa profitiert und wurde auf verschiedenen Konferenzen im europäischen Ausland als gutes Beispiel präsentiert. In diesem Jahr sollte der Wissenstransfer neuer Ansätze aus Europa nach Hessen ermöglicht werden und mit einem breiten Teilnehmendenkreis von Expertinnen und Experten, QuABB-Akteurinnen und -Akteuren sowie Vertreterinnen und Vertretern weiterer Projekte zur Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen in den Austausch getreten werden.

Prof. Mette Bunting vom University College of Southeast Norway präsentierte Erkenntnisse zur Typenbildung aus einer ethnographischen Langzeitstudie zu Aussteigern. Dr. Irène Psifidou vom European Centre for the Development of Vocational Training (CEDEFOP) stellte Ergebnisse der europaweiten Studie zu Bildungs- und Ausbildungsabbrüchen vor sowie das daraus hervorgegangene Webportal VET toolkit for tackling early leaving. Im Anschluss berichtete Prof. Francesca Salvà Mut von der University of the Balears Isles (Mallorca) über die Situation in Spanien und die Erfolgsfaktoren im schulischen System ihrer Ausbildungszentren.

An die drei englischen Vorträge schloss eine Gesprächsrunde mit Publikumsbeteiligung an, in der die Expertinnen die Wichtigkeit eines auf die regionalen Bedarfe angepassten Angebots betonten. Eine zentrale Rolle spielt dabei die soziale Integration sowie die Lebenswelt der Auszubildenden. Weitere Faktoren für den Erfolg einer Ausbildung sind ausreichende Ressourcen für Lehrkräfte, Berufsschulen und Ausbildungsbegleitungen. Der Fachaustausch wurde in vier thematischen Workshops und einer Ausstellung von neuen anwesenden Projekten weiter vertieft. Die Vorträge und Ergebnisse aus den Workshops werden online dokumentiert: www.quabb-hessen.de/magazin/dokumentationen/fachtage/fachtag-2018.

Eine internationale Plattform für erfolgreiche Ausbildung – das VET toolkit von CEDEFOP für Stakeholder, Multiplikatoren und Beratungsfachkräfte


Arbeit an Indikatoren zum Unterstützungssystem Berufsschule in Workshop 1, Foto: Jancey Pineda (Pineda Fotografie)

In einem Webportal, dem „VET toolkit for tackling early leaving“, macht CEDEFOP die Ergebnisse einer europaweiten Studie zu erfolgreichen Maßnahmen und Initiativen gegen Ausbildungsabbrüche für politische Entscheidungsträger und Entscheidungsträgerinnen, die Fachöffentlichkeit und die Praktikerinnen und Praktiker der Berufsbildung in englischer Sprache zugänglich. Es ist in drei Aktionsfelder aufgeteilt (Identifikation, Intervention und Evaluation) und hilft bei der Wahrnehmung von Frühwarnsignalen, bei der Unterstützung von Abbruchgefährdeten, sowie dabei, die Abbruchquote zu verringern und systematisch zu erfassen und ausgestiegene Jugendliche zu motivieren, ihre Qualifizierung wieder aufzunehmen. In zwei Workshops des QuABB-Fachtags 2018 wurde eingehender mit zwei Instrumenten des Webportals gearbeitet: zum einen mit dem Reflexions-Tool für politische Entscheidungsträger zum Umgang mit Ausbildungsabbrüchen mit insgesamt 41 Kriterien und zum anderen mit den sechs Risikoprofilen Abbrechender oder Abbruchgefährdeter.

Im ersten Workshop wurde an vier Thementischen zu ausgewählten Kriterien aus dem Reflexions-Tool diskutiert: Identifizierung abbruchgefährdeter Lernender, Einbezug des gesamten Umfelds, Professionelle Beratung, Unterstützungssystem Berufsschule. Überdacht wurde, was bereits in den eigenen Projekten umgesetzt wird und welche der vorgeschlagenen Indikatoren noch umgesetzt werden müssen.

Gespräch in einer Gruppe in Workshop 2, Foto: Jancey Pineda (Pineda Fotografie)

Im zweiten Workshop wurden sechs Lernprofile mit Abbruchrisiko aus dem VET toolkit vorgestellt und mit drei Typen von Dropouts aus der norwegischen Langzeitstudie von Prof. Mette Bunting verglichen, die verschiedene Ausprägungen von Abbrechenden anhand von Bezeichnungen wie „der Beständige“, „die Wacklige“ oder „der Zittrige“ beschreiben. Die Teilnehmenden diskutierten über den Wiedererkennungseffekt der Typen und Profile, über passgenaue Interventionsmöglichkeiten und darüber,  wie die systematische Differenzierung die Wahrnehmung im Berufsalltag schärfen kann. Deutlich wurde, dass auf jeden Fall die Einbindung von und die Beziehung zu einem unterstützenden Umfeld (Familie, Freunde, Kommune und Schule) entscheidend für das Meistern von Schwierigkeiten während der Ausbildung ist.

Das Webportal wurde auch aufgrund der Rückmeldungen zum Jahresende aktualisiert und beide Tools stehen dank des Fachtags nunmehr auch in deutscher Fassung als PDF zur Verfügung: www.cedefop.europa.eu/en/toolkits/vet-toolkit-tackling-early-leaving.

Beratungsqualität in Europa

Diskussion in Workshop 3 zu Beratungsqualität in Europa, Foto: Jancey Pineda (Pineda Fotografie)

Barbara Lampe vom Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung der Universität Mainz leitete den Workshop über Beratungsqualität in Europa am Beispiel des European Lifelong Guidance Policy Network (ELGPN). Frau Lampe stellte die europäischen Entwicklungen in Bezug auf Qualität in der Beratung vor. Qualitätssicherung und Evidenzbasierung sind eine Priorität bei der Verbesserung der Beratungssituation in den EU-Mitgliedsländern (EU-Ratsentschließungen 2004, 2008). Für die europaweite Umsetzung setzt sich das Europäische Netzwerk für eine Politik lebensbegleitender Beratung (ELGPN) ein. Im Workshop wurden die wichtigsten Grundsätze für lebensbegleitende Beratung diskutiert: Die Ratsuchenden stehen im Mittelpunkt; Bürgerinnen und Bürger befähigen; Zugang zu Beratung; Qualitätssicherung.

Zum Abschluss richtete sich der Blick noch auf Aktivitäten in Deutschland. Vorgestellt wurde das Nationale Forum Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung (nfb) und insbesondere das Projekt Beratungsqualität (BeQu). Viele der Teilnehmenden kamen zu dem Schluss, dass die Qualitätsstandards und die Kriterien aus der eigenen Beratungsarbeit, insbesondere im Programm QuABB, in sehr vielen Punkten mit den europäischen Bemühungen um eine Qualitätssicherung in der Beratungsarbeit übereinstimmen.

Keyway-Indikatoren für die Evaluierung von Beratungsprojekten

Gruppenarbeit in Workshop 4, Foto: Jancey Pineda (Pineda Fotografie)

In Workshop 4 stellte Professor Peter Weber von der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit das europäische keyway-Projekt vor, in dem Schlüsselindikatoren für den Erfolg von Beratungsprojekten erforscht wurden. Aus der Untersuchung haben sich verschiedene Wirkungsbereiche der Beratung herauskristallisiert: in Bezug auf das Individuum etwa persönliche Indikatoren wie Selbstvertrauen oder Anpassungsfähigkeit und Indikatoren in der beruflichen Laufbahn wie ein besserer Übergang von der Schule in die Ausbildung bzw. Hochschule. Von diesen persönlichen Indikatoren werden gesellschaftliche unterschieden, zu denen beispielsweise Kosteneinsparungen durch effektive Arbeitsvermittlung zählen.

Konkrete Anwendung können die Indikatoren vor allem in der Evaluierung von Beratungsprojekten finden. Das schließt die Frage an, wie die Indikatoren messbar gemacht werden können. Hierfür wurde in keyway ein methodischer Leitfaden entwickelt, mit dessen Hilfe geeignete Instrumente zur Erhebung der Wirkungen festgelegt werden können.

„Lebendig und authentisch“: Die Rezertifizierung von Beratungspersonen im Feld Bildung, Beruf und Beschäftigung

Wer als Beratungsperson im Bildungsbereich tätig ist, kann seine Kompetenzen mit dem Gütesiegel von Weiterbildung Hessen e.V. nach außen zeigen. Die Zertifizierung ist drei Jahre gültig. Nun hat der Verein ein Rezertifizierungsverfahren entwickelt und an die Beratungspraxis angepasst.

Das neue Verfahren entspricht dem Ablauf der bekannten Erstzertifizierung, setzt aber inhaltlich neue Schwerpunkte. Es fokussiert sich auf die Reflexion der Beratungstätigkeit einerseits im konkreten Fallbezug und andererseits im Bezug zur Evaluation der Beratungspraxis. Die Anforderungen der schriftlichen Ausarbeitung sind hierbei insgesamt gestraffter und weniger umfangreich, gleichzeitig aber auf gewohntem Niveau. Monika Löffler-Friedrich, Bildungscoach im Landkreis Fulda, hat die neue Rezertifizierung erfolgreich durchlaufen und sagt: „Durch den Schwerpunkt Reflexion und Evaluation war das Ganze sehr praxisorientiert. Die Qualitätsstandards und der vorgegebene Leitfaden konnten somit regelrecht mit Leben gefüllt werden, was die eigentliche Re-Zertifizierungsprüfung lebendig und authentisch machte.“

2015 entwickelte Weiterbildung Hessen e.V. mit Expertinnen und Experten aus der Beratungspraxis und Wissenschaft das Zertifizierungsverfahren für Beratungspersonen im Feld Bildung, Beruf und Beschäftigung. Im Laufe der Zeit wurde das Verfahren durch ständige Rückkopplung mit den Teilnehmenden verbessert. Inzwischen haben 130 Beratungspersonen aus vier Projekten der hessischen Qualifizierungsoffensive das Gütesiegel „geprüfte Beraterin“ bzw. „geprüfter Berater“ erhalten.

Informationen und Neuerungen zur Rezertifizierung finden Sie online: https://www.wb-hessen.de/index.php?id=284.

Von Christian Spahn, Weiterbildung Hessen e. V.

„Generation X Y Z ungelöst – Was erwarten die „neuen“ Azubis von der Arbeitswelt?“ – 1. Regionales Fachforum „Duale Ausbildung“

Am 20.03.2019 veranstaltet das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft gemeinsam mit QuABB das erste regionale Fachforum „Duale Ausbildung“ in Frankfurt. Zum Thema der Veranstaltung „Generation X Y Z ungelöst – Was erwarten die „neuen“ Azubis von der Arbeitswelt?“ wird Marco Weißer vom effico Institut für Aus- und Fortbildung einen Input geben. Die Veranstaltung findet im Haus des Lebenslangen Lernens (Campus Dreieich, Frankfurter Str. 160-166) statt und beginnt um 15:30 Uhr. Genauere Informationen werden mit der Einladung vor der Veranstaltung bekanntgegeben.

Bericht „Berufsausbildung in Hessen 2018“ der Hessen Agentur

Die Hessen Agentur stellt in ihrem Bericht „Berufsausbildung in Hessen 2018“ die Lage auf dem hessischen Ausbildungsmarkt dar. Interessant ist, dass die Zahl der Neuverträge erstmals in den letzten 5 Jahren gestiegen ist. Daneben wird auf ein Defizit an Ausbildungsplätzen bei steigender Anzahl von Betrieben hingewiesen. Der Bericht ist online verfügbar: https://www.hessen-agentur.de/mm//mm002/BAB_2018_komplett.pdf.

ALEX: Faktenwissen zum Arbeitsmarkt

Das Förderprogramm IQ (Integration durch Qualifizierung) hat Anfang November das Online-Angebot "Arbeitsmarkt-Lexikon" – kurz ALEX – veröffentlicht. Hier werden in rund 120 Artikeln viele wichtige Begriffe aus dem deutschen Arbeitsmarkt erklärt. Die Plattform richtet sich an Fachleute und Interessierte und ist frei und kostenlos verfügbar. Sie ist unter www.alex-iq.de zu finden.

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