QUABB-NEWSLETTER 1/2017

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

willkommen zur ersten Ausgabe des QuABB-Newsletters! Die Qualifizierte Ausbildungsbegleitung in Betrieb und Berufsschule (QuABB) hat zum Ziel, Abbrüche in der dualen Ausbildung zu verhindern.

Seit dem 01.07.2015 ist QuABB Landesprogramm. Damit ist das wichtigste Ziel der Modellphase erreicht: Die Hessische Landesregierung hat die Qualifizierte Ausbildungsbegleitung, deren Angebote und Arbeitsweisen über sieben Jahre erprobt und optimiert wurden, als dauerhafte Stützstruktur in das Gesamtkonzept „Fachkräftesicherung Hessen“ der hessischen Landesregierung aufgenommen. Seit dem Start des Projektes 2009 sind über 9.000 Auszubildende in QuABB beraten worden, von denen über 80 % die Ausbildung nach der Beratung fortgesetzt oder bereits erfolgreich abgeschlossen haben. Anhand der Auswertung der Beratungsfälle und der Erfahrungen, die die Ausbildungsbegleitungen im Beratungsalltag gesammelt haben, konnten wichtige Erkenntnisse über die Ursachen von Vertragslösungen gewonnen werden, die in zahlreichen Arbeitsmaterialien für Auszubildende, Ausbildungspersonal und Lehrkräfte gemündet sind und zur Entstehung eines Frühwarnsystems geführt haben, mit dem Jugendliche präventiv unterstützt werden können.

Um dieses Know-how in Zukunft hessenweit nutzen zu können, haben mit dem Start der neuen Programmphase 2015 lokale Träger die Ausbildungsbegleitung in den Regionen übernommen. Inzwischen ist dieser Prozess abgeschlossen und knapp 60 Ausbildungsbegleitungen bieten an über 100 Berufsschulen in ganz Hessen Sprechstunden und Begleitung an. Die regionalen Träger bringen nicht nur ihre eigene Expertise im Feld der beruflichen Bildung mit, sondern führen auch die wichtige Vernetzung des Programms mit anderen Unterstützungsangeboten fort. Parallel dazu vereinbart die Koordinierungsstelle Kooperationen mit anderen hessischen und bundesweiten Programmen und beteiligt sich am europäischen Austausch zum Thema Ausbildungsabbruch.

Die Kontinuität des Programms ist bis 2019 gesichert. Das ist auf die gute Arbeit der QuABB-Träger zurückzuführen. Auch in den kommenden Jahren beraten und unterstützen in allen 26 Regionen Ausbildungsbegleiterinnen und Ausbildungsbegleiter junge Menschen in der Berufsausbildung und tragen zu erfolgreichen Abschlüssen bei.

Für die Beratungsfachkräfte wie für die Koordinierungsstelle bei INBAS ist diese Aufgabe immer auch mit einem Blick über den Tellerrand verbunden: Die eigentliche Beratungsarbeit wäre ohne die Abstimmung zwischen Praxis, Politik, dem Input aus der Forschung und dem Erfahrungswissen der Akteure der beruflichen Bildung nicht möglich. Das Zusammenwirken aller an der dualen Ausbildung Beteiligten spielt für den Erfolg der Qualifizierten Ausbildungsbegleitung eine zentrale Rolle.

Mit dem QuABB-Newsletter wollen wir einen weiteren Beitrag zu diesem Austausch leisten. Der Newsletter soll Sie zum einen über die übergreifenden Entwicklungen des Programms und Neuigkeiten zum Thema Ausbildungsabbruch informieren. Zum anderen soll die Arbeit der QuABB-Projekte in den Regionen, ihre Herausforderungen, Ideen, Kooperationen und Erfolge im Blickpunkt stehen.

Wir freuen uns, dass Sie sich für QuABB interessieren und wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen!

Das Team der QuABB-Koordinierungsstelle

1 Mit Kooperationen zum Erfolg – gemeinsam stärker

In den Qualitätsstandards steht es schwarz auf weiß: Die drei Hauptakteure von QuABB – die lokalen QuABB-Träger, die zuständigen Kammern und die Berufsschulen der Region - sollen optimal zusammenarbeiten. Wie dies konkret in der Praxis gelingt, ist eine andere Frage. Klar ist aber, dass die Kooperation mit den Kammern ein zentraler Erfolgsfaktor für QuABB ist. Für die Zusammenarbeit der Ausbildungsberatung der Kammern mit den QuABB-Ausbildungsbegleiterinnen und Ausbildungsbegleitern gibt es ein landesweit abgestimmtes Grundlagenpapier.

Um Sie als Ausbildungsmarktakteure in der Region bei der Ausgestaltung der notwendigen Kooperationen zu unterstützen, hat die hessenweite Koordinierungsstelle bei INBAS ihre Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit der Ausbildungsberatung der Kammern in einem Grundlagenpapier von zwei Seiten zusammengefasst. Die darin enthaltenden konkreten Beschreibungen und Empfehlungen für die eng abgestimmte Zusammenarbeit auf operativer Ebene wurden im Steuerkreis von QuABB vorgestellt, diskutiert und von allen beteiligten Institutionen auf Landesebene befürwortet (Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, Hessisches Kultusministerium, Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern, Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern und Verband Freier Berufe in Hessen). Häufig sind die Formen der fallbezogenen und strategischen Zusammenarbeit mit der Kammer Thema bei unseren Beratungsbesuchen vor Ort in den Regionen oder in unseren Gesprächen der Servicehotline, weil sich das Erreichen einer vertrauensvollen Zusammenarbeit im Alltag nicht immer einfach gestaltet. Helfen kann eine schriftliche Kooperationsvereinbarung, die die zentralen Themen wie Zuständigkeit, Übergabe und Datenschutz grundlegend festlegt und auch noch gilt, wenn Personen ihren Job wechseln. Gerne beraten wir Sie als Akteurinnen und Akteure beim Vorgehen. In Frankfurt haben sich eine Stadt und ihr Träger aufgemacht, gemeinsam mit allen dort aktiven Kammern eine Kooperationsvereinbarung zu schließen. Denn, das spürt man sowohl auf der Praxisebene wie auch in den strategischen Netzwerken, die gelingende Zusammenarbeit ist ein wesentlicher Faktor für den Erfolg von QuABB.

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf.

2 Wie Sprachförderung für junge Auszubildende gelingen kann

Ahmaad M. (Name geändert) musste im Jahre 2014 sein Heimatland Syrien verlassen und kam im Sommer 2015 in Deutschland als Flüchtling an. Ahmaad war in seinem Heimatland kurz vor dem Abitur und wollte danach Architektur studieren. Als er in Südhessen ankam, hatte er weder seine Papiere noch die sprachlichen Voraussetzungen, um dieses Ziel schnell zu erreichen. Die Menschen vor Ort halfen ihm dabei, sich in dem neuen Land zurechtzufinden und die Sprache zu lernen.

So konnte er im Sommer 2016 eine Ausbildung bei einem Betrieb in Bensheim beginnen, um auf diesem Weg die Voraussetzungen für ein späteres (Fach-)Studium zu erlangen. Für den theoretischen Teil der Ausbildung wurde er bei der Heinrich-Metzendorf-Schule (HMS) in Bensheim aufgenommen. Schon bald stellte sich heraus, dass er aufgrund seiner Sprachkenntnisse in der Berufsschule Hilfe benötigte. Hier kam Marion Runkel von QuABB ins Spiel. Die QuABB-Beraterin suchte für Ahmaad und 17 andere Auszubildende in der Schule mit Sprachförderbedarf nach einer Möglichkeit, eine zusätzliche Unterstützung bei der Verbesserung der Sprachkenntnisse anzubieten.

Mit Unterstützung der Schulleitung der Heinrich-Metzendorf-Schule und der Ausländerbeauftragten des Kreises Bergstraße sowie dem Evangelischen Dekanat Bergstraße initiierte sie das Projekt DABEI. In Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Dekanat wurde ein Förderkurs bis Ende des Jahre 2016 ins Leben gerufen, den die Teilnehmenden direkt nach dem Unterricht in der Schule besuchen konnten. Frühzeitig vor Ende der Maßnahme nahm die QuABB-Beraterin mit dem Programm Wirtschaft integriert in Bensheim Kontakt auf, um die Möglichkeiten einer weiteren Unterstützung der Auszubildenden zu klären. 

Ahmaad und die anderen 16 Auszubildenden im ersten Ausbildungsjahr, die in den Förderkursen der Heinrich-Metzendorf-Schule unterrichtet und von QuABB betreut wurden, sind am 01.02.2017 in das Programm Wirtschaft integriert aufgenommen worden. Die berufsbezogene Sprachförderung, die Integrationshilfe und sozialpädagogische Begleitung werden in dem Projektbaustein Ausbildungsbegleitung ABplus in Kleingruppen kontinuierlich fortgesetzt. Die Zusammenarbeit von Berufsschule, QuABB und Wirtschaft integriert ist sehr eng (u. a. teilt man sich ein gemeinsames Beratungsbüro an der Schule) und wird im Sinne der Auszubildenden erfolgreich fortgeführt. Ausbildungsbegleiterin Marion Runkel begrüßt die Zusammenarbeit. „Ohne begleitenden Sprachunterricht drohen Abbrüche und Arbeitslosigkeit. Hier schließt Wirtschaft integriert eine Lücke.“ Der Koordinator des Projekts Wirtschaft integriert in Südhessen, Dogan Yilmaz, hebt die gute Zusammenarbeit in diesem Netzwerk hervor. „Es sind gerade solche Netzwerke der unterschiedlichsten Partner, die eng und vertrauensvoll bei der Integrationsarbeit zusammenarbeiten, die den Unterschied machen und für Erfolge vor Ort stehen."

3 QuABB in Europa

Bei der ESF-Jahresveranstaltung zur Landesphase von QuABB im Februar 2016 in Hanau ermöglichte Irène Psifidou (CEDEFOP) den Ausbildungsmarktakteuren des Landes einen ersten Einblick in eine europaweite Forschungsstudie zum Thema Bildungs- und Ausbildungsabbrüche. Als Beispiel für eine erfolgreiche Strategie zur Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen war QuABB selbst Gegenstand der Studie. Daher wurde die Koordinierungsstelle von QuABB gebeten, bei der Abschlusskonferenz, die vom 15. Bis zum 16. Mai in Thessaloniki stattfand, aktiv teilzunehmen. 90 Teilnehmende aus 22 Ländern folgten der Einladung des CEDEFOP (European Centre for the Development of Vocational Training) nach Griechenland, um die Ergebnisse dieser vierjährigen Studie zu Bildungs- und Ausbildungsbrüchen in Europa zu diskutieren. Mehr als 330 Maßnahmen wurden in 28 Ländern identifiziert und 44 davon eingehend analysiert. Sie mündeten in einem virtuellen Werkzeugkoffer, der ab sofort für alle Interessierten öffentlich zugänglich ist. Am ersten Tag präsentierte sich QuABB neben 25 anderen Programmen, Projekten und Maßnahmen, die erfolgreich an der Prävention, Intervention und Kompensation (tragfähige Anschlussperspektiven) von Ausbildungsabbrüchen und Schulverweigerung arbeiten. Der zweite Tag stellte die Evaluation und Selbstreflexion für Strategien und Fachpraxis in den Vordergrund. In die Diskussion wurden auch außereuropäische Perspektiven einbezogen - so zeigte ein Redner der Weltbank auf, wie es gelingt, in Kambodscha und Tadschikistan Schüler im Lernprozess zu halten.

Was die Eingangsdiskussion zum kontrovers diskutierten Titel "VET as a solution to leaving education early" schon anstieß, zeigte sich über den intensiven Austausch der Teilnehmenden aus Ministerien, Institutionen, lokalen Anbietern der Beruflichen Bildung und europäischen Projekten als wegweisend für die gesamte Tagung: Die regionalen und nationalen Bedingungen für Ausbildung in Europa und in der Welt sind so verschieden, dass die identifizierten und gut aufbereiteten Ergebnisse (Beispiele, Instrumente und Arbeitshilfen) vom Werkzeugkoffer "VET-toolkit" stets im Verhältnis zum Kontext, zum jeweiligen Individuum und zu den einschlägigen Institutionen gesetzt werden müssen. Der Direktor von CEDEFOP schloss mit einem Aufruf an die beteiligten Ländervertreterinnen und Ländervertreter, die gefundenen Indikatoren und Hinweise zu erfolgreichen Strategien für entsprechende Initiativen in ihren Ländern einzusetzen.

Schon in der laufenden Förderzeit werden zum Beispiel die sechs Risikoprofile zur Unterstützung der regionalen Prozessbegleitung und der Fortbildungsveranstaltungen der Koordinierungsstelle genutzt. Für November 2018 ist eine große Fachtagung in Hessen geplant, um die europaweiten Ergebnisse für die Fachkräfte, Akteure, Strategen und Strateginnen von QuABB nutzbar zu machen.

Bei Fragen zu diesem Thema wenden Sie sich an Dr. Sabine Beck von QuABB (sabine.beck@inbas.com, 069 27224-853).

CEDEFOP-Studie (Band 1, Band 2))
Twitter: https://twitter.com/search?f=tweets&q=%23VETearlyleaving&src=typd
Facebook: https://www.facebook.com/efvet.org/photos/a.541291909226330.117688.324433064245550/1434967636525415/?type=3&theater  




Hat Ihnen unser Newsletter gefallen? Dann freuen wir uns, wenn Sie andere Interessierte auf ihn aufmerksam machen.
Der Link zur Anmeldeseite lautet: http://www.quabb-hessen.de/magazin/newsletter.html

Sie können den Newsletter jederzeit wieder abbestellen.

 

Die QuABB-Koordinierungsstelle:

Hardy Adamczyk, Projektleitung, hessenweite Koordination und Qualitätssicherung und -entwicklung (hardy.adamczyk@inbas.com, 069 27224-859)

Dr. Sabine Beck, fachliche Vernetzung und Unterstützung der regionalen Akteure (sabine.beck@inbas.com, 069 27224-853)

Renate-Anny Böning, Stv. Projektleitung, Öffentlichkeitsarbeit, Beratungsqualität (renate-anny.boening@inbas.com, 069 27224-721)

Dr. Corinna Zakikhany, elektronische Fallakte, Professionalisierung und Fortbildungen (corinna.zakikhany@inbas.com, 069 27224-719)

Mario Wiesmann, Öffentlichkeitsarbeit und Datenauswertung (mario.wiesmann@inbas.com, 069 27224-722)

Gudrun Bauer, Backoffice, Projektassistenz und Veranstaltungsmanagement (gudrun.bauer@inbas.com, 069 27224-849)

Nora Brand, Backoffice, Projektassistenz und Veranstaltungsmanagement (nora.brand@inbas.com, 069 27224-854)

QuABB-Webseite: www.quabb-hessen.de

Titelfoto: thinkstock
Foto Abschlusskonferenz CEDEFOP: Sakis Gioumpasis