Kosten für Ausbildungsbetriebe - vorzeitige Vertragslösungen

von Reinhard Mösinger, Ausbildungsbegleiter

„Vertragslösungen bedeuten immer auch einen Ressourcenverlust und können stark demotivierende Effekte zur Folge haben, im schlimmsten Fall führen sie zum Ausstieg aus der Bildungsbeteiligung sowohl des Jugendlichen als auch des Ausbildungsbetriebs (vgl. Piening u. a. 2012; Jasper u. a. 2009).“ Deshalb sollte es das Bestreben aller an der Ausbildung Beteiligten sein, die Zahl der Vertragslösungen zu verringern.

Trotz sinkendem Ausbildungsengagement der Unternehmen steigt laut Berufsbildungsbericht 2013 die Anzahl vorzeitiger Vertragslösungen weiter an (vgl. Abb. 1).

Abb. 1 Vorzeitige Vertragslösungen (Angaben in %)

Quelle: BIBB (Hrsg.) (2014): Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2014. Informationen und Analysen zur Entwicklung der beruflichen Bildung. Bonn: BIBB, S 167.

Dabei kann anhand der Zahlen festgestellt werden, dass die meisten Vertragslösungen mit 65,8 % in den ersten zwölf Monaten nach Vertragsbeginn erfolgten, 33,9 % noch während der ersten vier Monate und 31,9 % zwischen dem fünften und zwölften Monat. Im zweiten Jahr nach Vertragsbeginn erfolgten immerhin noch 24,3 % der Vertragslösungen. 9,9 % der vorzeitigen Lösungen von Ausbildungsverträgen fielen in den Zeitraum 24 Monate nach Vertragsbeginn oder später (vgl. Abb. 2).

Abb. 2 Vorzeitige Vertragslösungen nach bisheriger Vertragsdauer (Angaben in % aller Lösungen 2012)

Quelle: BIBB (Hrsg.) (2014): Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2014. Informationen und Analysen zur Entwicklung der beruflichen Bildung. Bonn: BIBB, S 163.

Die angefallenen Investitionen der betrieblichen Ausbildung sind für die Betriebe nicht gänzlich verloren, jedoch kann eine vorzeitige Vertragslösung für den einzelnen Ausbildungsbetrieb mehrere Tausend Euro Verlust bedeuten. Im Folgenden soll auf die Problematik der Kosten, die den Betrieben bei vorzeitiger Vertragslösung entstehen können, näher eingegangen werden.

Für die Berechnung der durchschnittlichen Kosten einer vorzeitigen Vertragslösung wurde vom Bundesinstitut für Berufsbildung als Datengrundlage eine bundesweite Betriebsumfrage durchgeführt und in einer Kosten-Nutzen-Erhebung für das Berichtsjahr 2007 zusammengefasst. Es wurden die am stärksten besetzten 51 Ausbildungsberufe aus fünf der quantitativ bedeutendsten Ausbildungsbereiche untersucht (vgl. Tab.1)

Tabelle 1: Quoten, durchschnittliche Zeitpunkte und Kosten von Vertragslösungen

Quelle: BIBB „Datenbank Auszubildende“

Den Berechnungen des BIBB zufolge fallen bei den Ausbildungsbetrieben im Durchschnitt bis zur Vertragslösung Bruttokosten in Höhe von 16.218 Euro an. Die Erträge, die Auszubildende in dieser Zeit erwirtschaften, werden mit 9.392 Euro beziffert. Aus der Differenz zwischen den von den Betrieben zu tragenden Gesamtkosten (Bruttokosten) der Ausbildung und den durch die Mitarbeit der Auszubildenden erzielten Erträgen (Produktionserträge) ergeben sich die Nettokosten. Diese belaufen sich bis zum durchschnittlichen Zeitpunkt der Vertragslösung auf 6.826 Euro (vgl. Tab. 1).

Die meisten Ausbildungsverträge wurden im Jahr 2008 mit 25,10 % im Handwerk vorzeitig gelöst. Gleichzeitig wurde für diesen Berufsstand der höchste Wert der zu erwartenden Kosten bei einer vorzeitigen Vertragslösung mit knapp 1.610 Euro pro Auszubildender bzw. Auszubildendem ermittelt. Die niedrigste Vertragslösungsquote mit 6,77 % zeigt sich im Zuständigkeitsbereich des Öffentlichen Dienstes. In dieser Branche sind mit knapp 527 Euro die geringsten Kosten bei einer vorzeitigen Vertragslösung zu erwarten.

Für die Betrachtung der Nettokosten der einzelnen Ausbildungsberufe wurden jeweils die fünf Berufe mit den höchsten und den niedrigsten Nettokosten bei Vertragslösungen ausgewählt. Der Beruf Werkzeugmechaniker ist für einen Betrieb mit knapp 18.550 Euro am kostenaufwändigsten. Die niedrigsten Nettokosten bis zum Zeitpunkt der vorzeitigen Vertragslösung entstehen im Ausbildungsberuf Bäcker mit 986 Euro (vgl. Tab. 1).

Bei näherer Betrachtung ist festzustellen, dass die vorzeitige Vertragslösung in Zusammenhang mit dem Beitrag steht, den der Auszubildende für den Betrieb erwirtschaftet. Dort, wo geringere Nettokosten für den Betrieb anfallen, ist die Vertragslösungsquote höher als in Branchen, in denen Betriebe viel in die Ausbildung investieren.

Bei der Betrachtung der Lösungsquoten unter Hinzunahme der verursachten Nettokosten ist festzustellen, dass bei Ausbildungsberufen, in denen die Auszubildenden bis zur vorzeitigen Vertragslösung hohe Erträge erwirtschafteten und dadurch geringe Nettokosten verursachten, die höchsten Vertragslösungsquoten ermittelt wurden. Eine weitere Betrachtung der Lösungsquoten nach dem zuvor erworbenen allgemeinbildenden Schulabschluss wurde im Datenreport 2013 veröffentlicht. Es wurde festgestellt, dass die Lösungsquote umso höher ausfällt, je niedriger der allgemeinbildende Schulabschluss der Auszubildenden ist.

Da sich die oben aufgeführten Tabellenwerte auf die durchschnittlichen Kosten und Erträge aller Auszubildenden beziehen, zeigen die Berechnungen das Risiko, dem Betriebe durch Vertragslösung ausgesetzt sind.

Geringe Motivation und Einsatzbereitschaft, schlechte Ausbildungsqualität oder Konflikte im Betrieb können zu höheren Kosten und niedrigeren Erträgen im Einzelfall führen. Auch Kosten, die möglicherweise durch die Vertragslösung selbst entstehen, sind neben den Ausbildungskosten zusätzliche finanzielle Aufwendungen für den Betrieb.

Deshalb sollte es das Bestreben aller an der Ausbildung Beteiligten sein, die Zahl der Vertragslösungen zu verringern.

Zeichnet sich eine vorzeitige Beendigung der Ausbildung ab, so wird eine kompetente Beratung der Jugendlichen benötigt, in die gegebenenfalls auch der Ausbildungsbetrieb einbezogen werden sollte.

Geht es um Konflikte im Betrieb, kann eine berufspädagogische Beratung  dazu beitragen, eine Auflösung des Ausbildungsvertrages zu verhindern. Falls es zur Beendigung  der Ausbildung im Betrieb kommt, brauchen Jugendliche vor allem schnelle und wirksame Unterstützung, damit  ihnen die Wiedereinmündung in Ausbildung gelingt.

Um die Zahl der Abbrüche bzw. der erfolglosen Ausbildungsteilnehmenden zu senken, können auch die Ausbildungsbetriebe Maßnahmen ergreifen. Neben einer Verbesserung des Rekrutierungsverfahrens kann das durch eine Verbesserung der Ausbildungsbedingungen und der Vergütung sowie durch eine bessere Betreuung der Auszubildenden während der Ausbildung sichergestellt werden.

Quellen:

BIBB (Hg.) (2012): Betriebliche Kosten von Vertragslösungen. Bonn.
BIBB (Hg.) (2012): Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2012. Informationen und Analysen zur Entwicklung der beruflichen Bildung. Bonn.
BIBB (Hg.) (2013): Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2013. Informationen und Analysen zur Entwicklung der beruflichen Bildung. Bonn.
BMBF (Hg.) (2013): Berufsbildungsbericht 2013. Bonn.
BIBB (Hg.) (2013): Report. Forschungs- und Arbeitsergebnisse aus dem Bundesinstitut für Berufsbil-dung, Heft 21. Bonn.

Reinhard Mösinger

Ausbildungsbegleiter

INBAS GmbH, Projekt QuABB

Regionalteam Main-Kinzig

E-Mail: Moesinger@QuABB.inbas.com