Erfahrungen aus drei Jahren "QuABB" – Eine erfolgreiche Kooperation aus Sicht der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main

 

von Bernd Sieber, Geschäftsbereichsleiter Berufliche Bildung, HWK Frankfurt-Rhein-Main

Zur Ausgangslage

Die Berufsausbildungszeit geht mit der Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen und den damit verbundenen Konflikten unterschiedlicher Intensität und Art einher. In mehr als 90 Prozent aller Fälle lassen sich diese Konflikte im Dialog mit vorhandenen Kompetenzen (von Ausbildenden, Auszubildenden, Eltern, Lehrkräften, Ausbildungsberaterinnen und Ausbildungsberatern der Kammern, Lehrlingswartinnen und Lehrlingswarten der Handwerksinnungen) lösen.

Gesellschaftliche Veränderungen spiegeln sich in der zunehmenden Komplexität der Konfliktlage und der Notwendigkeit einer zusätzlichen sozialpädagogischen Beratung wider.

In diesem Kontext profitieren alle Beteiligten von der Kompetenz der Ausbildungsbegleiter und Ausbildungsbegleiterinnen sowie der Beratungslehrkräfte von QuABB.

Das Bedürfnis nach einer stärkeren sozialpädagogischen Begleitung und Förderung von Auszubildenden kommt nicht zuletzt in Unternehmensumfragen der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main zum Ausdruck.

Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main & "QuABB" - gemeinsam für den Ausbildungserfolg!

Sechs Säulen einer interdisziplinären Kooperation

Die gelungene Zusammenarbeit zwischen der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main und dem Programm QuABB wird von sechs "Säulen" getragen:

 

Festgelegte Spielregeln

Die Zusammenarbeit aller Akteure im Programm QuABB basiert auf den 2008 im Beirat getroffenen Vereinbarungen. Der zentrale Punkt dieser Vereinbarungen ist ein zwischen der Ausbildungsberatung der Handwerkskammer und der QuABB-Ausbildungsbegleitung abgestimmtes Vorgehen. Der gemäß § 41a HwO geregelte gesetzliche Auftrag der Handwerkskammer zur Überwachung der Berufsausbildung steht hierbei außer Frage.

 

Fallbezogene Kooperation der Ausbildungsberatung mit QuABB

Das gemeinsame Ziel aller am Ausbildungsprozess beteiligten Akteure, die erfolgreiche Berufsausbildung, ist der zentrale Punkt der Zusammenarbeit im Programm QuABB. Unter diesem Aspekt entwickeln die Ausbildungsberaterinnen und Ausbildungsberater der Handwerkskammer gemeinsam mit den QuABB-Ausbildungsbegleitungen und Beratungslehrkräften Lösungsvorschläge und Präventionsmaßnahmen, die zu einem erfolgreichen Ausbildungsabschluss führen. Die seitens der Handwerkskammer vorhandenen, auf die Intervention in Unternehmen ausgerichteten Kompetenzen ergänzen sich hierbei mit den berufs- und sozialpädagogisch geprägten Qualifikationen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in QuABB. Gemeinsam werden ganzheitliche Problemanalysen erstellt sowie Lösungsangebote erarbeitet und umgesetzt.

Die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Ausbildungsberaterinnen und Ausbildungsberatern der Handwerkskammer und den Ausbildungsbegleiterinnen und Ausbildungsbegleitern in QuABB ist stark von einem gewachsenen persönlichen Vertrauen abhängig. Die personelle Kontinuität auf beiden Seiten trägt daher in erheblichem Maße zu einer Verstetigung der Projektziele bei.

 

Fortbildung der Ausbildungsbegleiter

Zur Förderung der vertrauensvollen Zusammenarbeit und der Fortbildung der Ausbildungsbegleiter und Ausbildungsbegleiterinnen fanden, insbesondere zu Beginn des Projekts, mehrere Jours Fixes statt.

Im Mittelpunkt der von 6 bis 8 Personen besuchten Treffen standen die Besprechung aktueller Beratungsfälle und die Erörterung von in diesem Zusammenhang stehenden Rechtsfragen.

 

Beteiligung der Kammer an Workshops

Die Berufsausbildung im Handwerk verläuft zumeist nach dem Prinzip "Lernen an konkreten Kundenaufträgen"; sie wird reaktiv gestaltet.

Nach dem gleichen Prinzip reagieren die am Ausbildungsprozess beteiligten Personen (Eltern, Ausbildungsberatungen, QuABB-Ausbildungsbegleitungen usw.), wenn seitens des Ausbildungsbetriebes oder der Schule Probleme an sie herangetragen werden.

Neben dieser reaktiven Begleitung von Auszubildenden und Betrieben entwickeln die Akteure im Programm QuABB Handreichungen, die insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen und die Ausbilderinnen und Ausbilder zu einem aktiven Handeln befähigen.

Die kontinuierliche Mitarbeit der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main in den vier jährlichen "Entwicklungsworkshops" spiegelt sich im "QuABB-Werkzeugkoffer" wider.

 

Mitarbeit in der AG "Ausbilder"

In der Arbeitsgruppe "Ausbilder" diskutierten und entwickelten Ausbildende, Ausbildungsbegleiter und Ausbildungsbegleiterinnen sowie fachkundige Mitarbeitende der Handwerkskammern Handlungsempfehlungen und Handreichungen zur Unterstützung der betrieblichen Ausbildung. Die in jährlich vier Sitzungen erarbeiteten Checklisten, Arbeitsblätter und Ratschläge sind die Basis der im "QuABB-Werkzeugkoffer" veröffentlichten Arbeitshilfen für Ausbilderinnen und Ausbilder.

 

Einbeziehung der Ausbildungsbegleitungen in Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen

Mit dem Ziel, das Modell QuABB in den Unternehmen und den Handwerksorganisationen bekannt zu machen, veröffentlichte die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main seit 2009 mehrere redaktionelle Berichte in den Kammerorganen (DHZ, Internetseite).

Neben diesen Publikationen boten Innungsversammlungen, Meisterprüfungsvorbereitungskurse sowie die Lehrlingswartetagungen der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main den Ausbildungsbegleitern und Ausbildungsbegleiterinnen die Gelegenheit, QuABB zahlreichen Ausbildenden sowie Ehrenamtsträgerinnen und Ehrenamtsträgern näher vorzustellen.

Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main & QuABB - Ein stabiles Netzwerk!

 

Regionale Verstetigung der Ziele von QuABB

Die sozialpädagogische Förderung und Unterstützung von Ausbildungsverhältnissen ist eine wichtige Grundlage zur Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen. Diese Erkenntnis kommt seit vielen Jahren auch in anderen Projekten und Forschungsaufträgen zum Ausdruck.

Aktuell greift das Projekt "Stark für Ausbildung" des DIHK/ZWH das Thema "Qualifizierung von Ausbildenden" in der Weise auf, dass die zentralen Bildungseinrichtungen der Kammern modulare Fortbildungsseminare und eine Informationsplattform im Internet entwickeln.

Die Strategie "OloV" (Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit im Übergang Schule-Beruf) ist ein zentrales Thema des Hessischen Paktes für Ausbildung. Um die im Berufs orientierungs- und Vermittlungsprozess begleiteten Jugendlichen mit Beginn der Berufsausbildung weiterhin sozialpädagogisch zu begleiten, schlägt die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main die Integration der Projekte zur Stabilisierung von bestehenden Ausbildungsverhältnissen durch sozialpädagogische Begleitung als 4. Teilziel der hessischen OloV-Strategie vor. 

Bernd Sieber
Geschäftbereichsleiter Berufliche Bildung
Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main
E-Mail: sieber@hwk-rhein-main.de